Antlitzdiagnostik, gestern – heute – morgen

von Friedrich Depke

In heutiger Zeit besitzt die Antlitzdiagnostik einen größeren Bekanntheitsgrad als vor 50 oder gar 100 Jahren. Diese Tatsache erscheint auf den ersten Blick erfreulich, was jedoch bei näherer Betrachtung etwas anders aussieht.

Im Laufe der Zeit haben sich hier gravierende Fehler eingeschlichen, was weder der Biochemie noch der Antlitzdiagnostik gute Dienste leistet! Der gesundheitliche Wert dieser Therapieform wurde wohl von vielen Menschen entdeckt, aber nicht von allen in seinem ganzen Umfang richtig verstanden. Ich warne hier vor der Idee einer Vermarktung von Marketingstrategen und Theoretikern, denen scheinbar grundlegende therapeutische Erfahrungen im Umgang mit kranken und hilfsbedürftigen Menschen fehlen.

Dabei begann vor fast 140 Jahren alles einmal ganz hoffnungsvoll! Schauen wir mal ein wenig zurück in die Anfänge der Antlitzdiagnostik.

Der Begründer der biochemischen Heilweise, Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler, widmete der Antlitzdiagnostik in seinem Buch „Eine abgekürzte Therapie“ ein ganzes Kapitel. Er erfaßte diese bereits intuitiv in seiner Grundstruktur und gab präzise und praktikable Anweisungen für das Selbststudium der Antlitzdiagnostik. Des weiteren beschrieb Schüßler auch, welche erstaunlichen Wirkungen der Biochemie zu entlocken sind, wenn man sie nach der Antlitzdiagnostik verordnet.

Kurt Hickethier griff diese Grundgedanken Schüßlers auf und erforschte ab 1910 unermüdlich und mit großem Eifer die Antlitzdiagnostik. Er benötigte ein gutes Jahrzehnt, bis er damit an die Öffentlichkeit trat. In einem „Großversuch“ in Halle an der Saale, setzte Hickethier 1921 erstmals die Antlitzdiagnostik mit grroßem Erfolg ein. Er war einer der Mitbegründer des dortigen Biochemischen Vereins. Die Antlitzdiagnostik wirkte wie ein Magnet und zog in kurzer Zeit tausende Menschen in ihren Bann. Der Biochemische Verein zählte innerhalb eines Jahres ca. 10.000 Mitglieder!

Doch dann entstanden Schwierigkeiten über Schwierigkeiten. Mißgunst und Intrigen machten ihm das Leben schwer und so wendete er sich schließlich vom Verein und seiner Dachorganisation ab, um sich in Unabhängigkeit und Zurückgezogenheit, seiner Arbeit besser widmen zu können

Hickethier erforschte in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die Antlitzdiagnostik bis ins allerkleinste Detail. So entstanden wertvolle Beschreibungen über die Charakteristik der einzelnen antlitzdiagnostischen Anzeichen, die bis zum heutigen Tage einzigartig und wegweisend sind. Hickethiers Erkenntnisse werden immer noch in allen Veröffentlichungen über Antlitzdiagnostik von den verschiedensten Autoren aufgegriffen und weitergegeben. Alles, was seit 1925 über Antlitzdiagnostik geschrieben oder gesprochen wurde, stammt direkt oder indirekt von Kurt Hickethier ab.

Allerdings blieb es dabei auch nicht aus, daß sich im Eifer des Gefechts, beim einen oder anderen manche Fehler eingeschlichen haben, die, ohne der Sache eigentlich schaden zu wollen, verbreitet wurden und werden.

So entstand auch der große Irrtum, Antlitzdiagnostik per Foto erlernen zu können. Antlitzdiagnostik läßt sich aber niemals durch Bilder erlernen, so schön sie auch aussehen mögen! Die derzeitige Foto- und Drucktechnik ist noch meilenweit davon entfernt, Farben oder Glanz vollkommen natürlich wiederzugeben! Foto-Bücher sind eher dazu geeignet ein falsches Bild der Antlitzdiagnostik entstehen zu lassen. Vor allem schränken Sie die Möglichkeiten der Antlitzdiagnostik enorm ein!

Die einzelnen antlitzdiagnostischen Anzeichen äußern sich in veränderten Hautfärbungen, verschiedenen Glanzarten und strukturellen Veränderungen der Haut. Man kann sie am einfachsten am lebenden Menschen bei gutem Tageslicht studieren. Hier lassen sich z. B. sehr wohl die einzelnen antlitzdiagnostisch bedeutsamen Glanzarten wunderbar voneinander abgrenzen und unterscheiden. Versuchen Sie jedoch einmal per Foto einen Gelatine-Glanz von einem Fettglanz oder einer anderen Glanzart zu unterscheiden, und dann diese Erkenntnisse auf den lebenden Menschen zu übertragen. Das ist bei der heutigen Fototechnik so gut wie unmöglich!

Das einzige, was sich per Foto einigermaßen gut wiedergeben läßt, sind bestimmte strukturelle Veränderungen der Haut. Jedoch spielen diese in der Antlitzdiagnostik eine eher untergeordnete Rolle! Fotos von strukturellen antlitzdiagnostischen Veränderungen können daher, ganzheitlich gesehen, kaum nutzbringend angewendet werden. Die wichtigeren Anzeichen der Antlitzdiagnostik sind Färbungen und Glanz!

Durch Fotos wird die Antlitzdiagnostik unweigerlich in falsche Bahnen gelenkt! Der Schaden, der durch eine daraus resultierende ungenaue Antlitzdiagnose entsteht, ist unermeßlich, weil sie logischerweise eine fehlerhafte Verordnung der Lebenssalze nach sich zieht. Dies führt wiederum zu einer mangelhaften Wirkung!

Wenn die Therapie dann zu keinem durchgreifenden Erfolg führt, wird die Antlitzdiagnostik und Biochemie schnell verworfen, und das Ende vom Lied ist Enttäuschung und Ablehnung, oder man greift zu zusätzlichen unterstützenden Maßnahmen, um dann noch halbwegs das erwünschte Ziel zu erreichen, wenn nicht gar die Schulmedizin triumphierend zum Zuge kommen muß. Deshalb sollte für alle ernsthaft arbeitenden Therapeuten, an erster Stelle das sichere Erkennen der Mangelsituation im Antlitz stehen!

Die seriöse Verbreitung der Antlitzdiagnostik lag bereits Kurt Hickethier sehr am Herzen, vor allem aber auch die hohe Qualität der Ausbildung. Von den aus seiner Antlitzdiagnostik-Schule (Sonnerschule in Ellrich/Südharz) in sechsjähriger Ausbildung hervorgegangenen Schülern, waren nur diejenigen berechtigt die Berufsbezeichnung „Sonner“ zu verwenden, welche sich besonders qualifiziert hatten. Sonner bedeutet „Bringer der Sonne“ und steht in enger Beziehung zu dem Begriff „Gesonntheit = Gesundheit“. Nur Sonner erhielten die Berechtigung, die Antlitzdiagnostik-Ausbildung durchzuführen! Diese Antlitzdiagnostik wird bis zum heutigen Tage nach den hohen Qualitätsstandards Hickethiers im Naturheilzentrum in 56132 Kemmenau bei Bad Ems angewendet und gelehrt.

Treue Mitarbeiter unterstützten Hickethier mit ganzer Kraft in seiner Arbeit und Forschung. Vor allem die Geschwister Depke arbeiteten mit ihm ab 1926 eng zusammen. Dies waren: Sonner Hermine Depke, spätere Pfotenhauer (1903 – 1949), Sonner Luise Depke (1905 – 1986) und Sonner Charlotte Depke (1907 – 1998). Sie waren die einzigen, die Hickethier nach politischem Berufsverbot, sowie späterer Enteignung und Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone, verblieben waren. Gemeinsam bauten sie in mühevoller Arbeit wieder eine gute Grundlage, um die Antlitzdiagnostik und Biochemie zum Wohle der Menschheit einsetzen zu können. Als die neue Wirkstätte in Kemmenau kurz vor ihrer Vollendung stand, schloß Kurt Hickethier am 2.2.1958 für immer seine Augen. Gemeinsam führten nun Luise und Charlotte Depke, das Lebenswerk Hickethiers in seinem Sinne weiter fort.

Die traditionelle Antlitzdiagnostik nach Kurt Hickethier ist in Verbindung mit der Biochemie nach Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler, eine der besten Diagnose- und Behandlungsformen auf dem naturheilkundlichen Sektor. Ich setze mich mit aller Kraft für deren Verbreitung und Qualitätssicherung ein, damit diese Therapie auch zukünftigen Generationen zur Verfügung steht!

Wem daran gelegen ist, den Geist Hickethiers und Schüßlers in der Biochemie und Antlitzdiagnostik weiterhin hoch zu halten, lade ich herzlichst zur Mitarbeit ein.

Wir brauchen dringend eine naturheilkundliche Bewegung, die unabhängig und frei von undurchsichtigen Zielen bestimmter Firmen oder Organisationen, die Biochemie und Antlitzdiagnostik in ihrer traditionellen Form zur weiteren Blüte bringt.

© by Friedrich Depke • Im Kirschengarten 8 • 56132 Kemmenau • Germany