Warum nimmt man Magnesium phosphoricum in heißem Wasser?

von Richard von Rüsten

Zum Wirkungskreis des Magnesium phosphoricums gehört die Ausscheidung der flüchtigen Ammoniakgase. In Zersetzungsherden bilden sich oftmals nicht nur feste und flüssige Fäulnisgifte, sondern auch Gasansammlungen, die wegen Mangels an Magnesium phosphoricum nicht ausgeschieden werden können. Solche Gasstauungen finden sich vielfach an der Zahnwurzel im Anschluß an Zahnentzündungen oder als Begleiterscheinung. Die Gase entstehen bei krankhaften Zerstörungen der eiweißhaltigen Zellen, bleiben aber deswegen noch an die festen Stoffe gebunden, weil in diesen Fällen das notwendige Magnesium phosphoricum fehlt. Gasanhäufungen treten uns auch sehr oft als Blähungsgase innerhalb des Magen- Darmkanals entgegen und erfordern ebenfalls Magnesium phosphoricum zu ihrer Ausscheidung. Zusammenfassend sagen wir mit dem Forscher Kurt Hickethier, daß dem Magnesium phosphoricum im Körperhaushalt die hochwichtige Betriebsaufgabe zufällt, das schädliche Ammoniak zu entfernen.

Aus Erfahrung weiß der Biochemiker, wie Magnesium phosphoricum D 6 trocken wirkt, daß sich aber der Erfolg in der Anwendung erhöht, wenn dieses Salz in heißem Wasser aufgelöst und teelöffelweise genommen wird. Zu diesem Zweck kocht man Wasser auf und läßt alle Luft daraus entweichen, auch das Ammoniak. Im kalten Wasser ist ein Gutteil Ammoniak aufgespeichert, während es als Getränk im erhitzten Zustand den Organismus davon fast verschont, zumal er bei Magnesium-phosphoricum-Mangel sowieso schon durch Ammoniak belastet wird.

Durch einen einfachen Versuch läßt sich leicht nachweisen, wie kaltes Wasser der Luft Ammoniak entnimmt. Man verschafft sich für das Experiment Salmiakgeist und füllt eine unten geschlossene Glasröhre zum Teil damit an. Durch erhitzen der Flüssigkeit entweicht ihr Ammoniak, das die Luft nach oben aus der Röhre verdrängt und selbst den Raum einnimmt. Man verschließt die obere Öffnung mit dem Daumen und hält sie ins kalte Wasser. Ist in der Röhre gewöhnliche Luft vorhanden, so findet das Wasser darin keinen Platz; denn ein Körper vermag den Raum eines anderen Körpers nicht einzunehmen. Unser Versuch zeigt uns aber, wie das kalte Wasser nach Entfernung des Verschlusses im Glas hochsteigt, also das Ammoniak verzehrt. Derselbe Versuch mit kochendem Wasser überzeugt uns davon, daß es kein Ammoniak aufnimmt.

Weil heißes Wasser arm an Ammoniak ist, benutzt man zur Auflösung von Magnesium phosphoricum D6 kein kaltes Wasser. Da fragt sich nun der Leser, warum er denn mit seinem Magnesium phosphoricum nicht gerade so verfahren soll wie mit den anderen Schüßlersalzen die doch trocken zu nehmen sind. Zur Erklärung weist Kurt Hickethier in seinem Lehrbuch der Biochemie auf ein chemisches Grundgesetz hin, das hier ebenfalls erläutert werden soll.

Ammoniak stellt ein flüchtiges Gas dar und bleibt infolge eines Mangels an Magnesium phosphoricum an feste Stoffe gebunden. Der Zusammenhalt mehrerer Stoffe beruht auf der chemischen Verwandtschaft. Kommt nun ein anderer fester Stoff von höherer Temperatur in die Nähe, so geht er die Verbindung ein und treibt den flüchtigen Stoff aus, obwohl seine chemische Verwandtschaft bei niedrigeren Wärmegraden geringer sein kann. Ohne die höhere Temperatur braucht die Verbindungskraft nicht auszureichen, um die alte Vereinigung mit dem Gase zu lösen. Wendet man dieses Gesetz auf Magnesium phosphoricum an, so vermag sie zwar aus sich heraus schon das Ammoniak zu lösen und zu entfernen, erhält jedoch durch die höhere Temperatur des Wassers eine stärkere Wirkung.

Gerade wenn es sich um Linderung und Beseitigung krampfartiger Schmerzen handelt, kommt man mit heißem Magnesium phosphoricum greifbar schneller zum Ziel, zumal die Aufnahmewege auf dem Zungenrücken durch das heiße Wasser eine Erweiterung erfahren und einen schnelleren Übertritt in die Blutbahn bewerkstelligen. Darum empfiehlt der Antlitzdiagnostiker bei jedem entsprechenden Mangel an Magnesium phosphoricum, dieses Salz heiß zu nehmen, und zwar meistens morgens, mittags und abends je fünf Tabletten oder einen Teelöffel voll Pulver.

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