Hickethiers wichtige Ergänzung zum Lebenswerk Dr. Schüßlers

von Doris Siebert

Dr. Wilhelm Schüßler, geb. 1821, gest. 1898, ließ sich 1857 als homöopathischer Arzt nieder. Überwiegend im Selbststudium erwarb er sich ein umfangreiches Wissen auf den verschiedensten Gebieten.

1861 trat er zum 1. Mal mit der Abhandlung über eine Heilungsgeschichte, die er mit Hochpotenzen behandelt hatte, an die Öffentlichkeit. Einige Zeit später geht schon aus seinen Veröffentlichungen hervor, daß sich seine Gedanken immer mehr der Befriedigungsheilweise zuwenden. Bis 1871 beschäftigte er sich mit der Homöopathie. Von 1871 – 73 findet man keine Veröffentlichungen von ihm. Dies ist die Zeit des Versuchens und des Ausprobierens seiner neuen Heilweise – der Biochemie, der Lebenssalzkunde mit den 11 Lebenssalzen. Den Gedanken der begrenzten Anzahl von Heilmittel brachte er in seiner Veröffentlichung 1874 – eine abgekürzte Therapie. Zitat: „Therapien, welche so lockere Grenzen haben, daß sie zu jeder Zeit neue Arzneimittel aufnehmen oder alte Mittel beibehalten oder verwerfen dürfen, können nicht diejenige Sicherheit gewähren, welche zum Nutzen der Kranken und im Interesse der Wissenschaft notwendig sind.“

Dr. Schüßlers Lebenswerk ist die Befriedigungsheilweise, die Lebenssalzkunde, welche er Biochemie nannte. Er stellte die Frage: Sind die Mineralien, die in den lebenden Wesen als Lebenssalze vorkommen, berufen, das Lebensgetriebe in Ordnung zu halten? Des weiteren: Kann man durch das Reichen jenes Lebenssalzes, welches als nicht ausreichend festgestellt worden ist, die Wiederherstellung des Gesundheitszustandes fördern? Er hat diese Frage immer wieder überprüft und hinterfragt, bis er feststellen konnte, daß seine Therapie – die Biochemie, vollendet ist. In der Befriedigungsheilweise geht es nicht um Reizung, wie bei den sonstigen Heilweisen, sondern um Heilung. Dr. Schüßlers Grundsatz lautete: Die im ganzen Körper vertretenen anorganischen Stoffe genügen zur Heilung aller Krankheiten, welche überhaupt heilbar sind. Dr. Schüßler hat keinen Hehl daraus gemacht, daß seine Lehre noch in einem Punkt zu vervollständigen ist. Über das vollendete Werk „Biochemie“ hinaus brachte er noch den Gedanken unter seine Schüler, daß eigens für die Biochemie eine Diagnostik möglich sein muß. Sein Buch – Eine abgekürzte Therapie – schließt mit dem Hinweis, daß es bei beharrlichem Üben gelingt, das benötigte Salz auch aus der Beschaffenheit des Gesichtes abzulesen. Mit der Biochemie alleine wäre es immer nur ein Behandeln auf Grund von Symptomen geblieben, von zum Teil subjektiven Schilderungen der Patienten. Da wir uns aber darüber im Klaren sein sollten, daß das Symptom so gut wie nie oder sagen wir besser selten auch die Ursache ist, ist die Antlitzdiagnostik, auch Sonnerschau genannt, eine segensreiche Weiterentwicklung von Dr. Hickethier.

Kurt Hickethier, geb. 1891, gest. 1958, stieß durch eine eigene schwere Krankheit auf die Biochemie Dr. Schüßlers. Er litt an der unheilbaren Bechterew’schen Krankheit. Mit Hilfe der Lebenssalze erreichte er Beschwerdefreiheit. Das Lebenswerk Hickethiers ist die Schaffung der Antlitzdiagnose. 1923 veröffentlichte er seine Lehre der Mittelbestimmung aus der Beschaffenheit des Angesichts. Dies geschah erst nach genauester Überprüfung seinerseits und konnte in den darauffolgenden Jahren seines Wirkens durch nichts erschüttert oder beeinflußt werden. Er hat etwas geschaffen, vollendet, ohne daß eine Veränderung nötig ist, abgerundet, in alle Bereiche des Körpers greifend.

Der Wert der Antlitzdiagnostik liegt in seiner Treffsicherheit. Man ist in der Lage sofort festzustellen, welches Lebenssalz zur Behebung des Krankheitszustandes erforderlich ist; man muß nicht erst eine Inkubationszeit abwarten. Die Antlitzdiagnostik läßt einen Bedarf erkennen und die Deckung kann unmittelbar erfolgen. Für die Antlitzdiagnostik gibt es keine geheimnisvollen Krankheiten. Auch bei noch so unbekannten Krankheiten ist das Wesen derselben der Lebenssalzmangel. Dies gewinnt vor allem in der heutigen Zeit an Bedeutung, da auch die alten und gut bekannten Krankheiten durch die verschiedenen Einflüsse ein anderes Gesicht bekommen.

Das Antlitz stellt einen Spiegel dar, welches die akuten Salzmängel augenblicklich erkennen läßt und ebenso das Verschwinden derselben. Wir haben die Möglichkeit bekommen, unbeeinflußt und unabhängig von den Aussagen der Patienten, die Ursachen der Leidens zu behandeln. Denn da, wie ich schon sagte, das Symptom fast nie die Ursache ist, kann es durchaus sein, daß aus den Schilderungen des Patienten wir auf andere Mängel schließen würden, als die, die uns das Antlitz in der gerade vorherrschenden Situation verrät. Es ist möglich, daß uns der Patient Befunde über z. B. Organstörungen mitbringt, die wir gar nicht so konkret erkennen können.

Aber vielleicht haben diese ja auch eine ganz andere Ursache und benötigen das Salz, das diese Ursache behandelt, den dortigen Mangel auffüllt und dann sich auch heilend auf das Symptom auswirkt. Durch die Antlitzdiagnostik ist es möglich geworden die Ursache zu behandeln und dem Körper dadurch die Chance zu geben gezielte Eigenarbeit und Weiterentwicklung zu leisten.

Besonders wertvoll ist für mich auch die Eignung der Antlitzdiagnostik hinsichtlich der nutzbringenden Gesundheitspflege. Nicht Krankheiten zu heilen, sondern Krankheiten zu verhüten sollte unsere größte Aufgabe sein. Bevor sich die ersten Krankheitserscheinungen bemerkbar machen, sind die Mineralsalzmängel im Antlitz erkennbar und können durch die Gabe der angezeigten Salze verhütet werden.

Die Antlitzdiagnostik war Hickethier auch ein wichtiges Hilfsmittel bei der Entwicklung seiner Gesundheitsbäder und das für den Hausgebrauch gedachte Hausbadesalz. Es gibt seine guten Strahlungen dem Badenden und nimmt dessen krankhafte an. Hier ist jedoch ganz wichtig den Hinweis zu Badetemperatur und Badedauer zu beachten – das Gefälle!

Ein weiteres Forschungsgebiet Hickethiers war die Sehschulung, die sich mit der Hebung der Sehkraft bei allen Beeinträchtigungen befaßt. Nicht zu vergessen sei noch die von ihm entwickelte Rückgratpflege, eine spezielle Nervenmassage.

Zum Abschluß möchte ich noch einmal darauf hinweisen, wie wichtig beide Lebenswerke sind.

Was wäre die Biochemie ohne die Antlitzdiagnose und umgekehrt?

Das eine kann ohne das andere nicht existieren!

Nachsatz:

1. „Wer die Antlitzdiagnostik erlernen will, muß dieselbe auf autodidaktischem Wege sich erwerben. Ein Versuch sie mittels einer gedruckten Anleitung zu lehren würde zu Mißverständnissen führen. Ein Schäfer kennt jedes Individuum seiner Herde; er ist aber nicht imstande, die bezüglichen unterscheidenden Merkmale anzugeben.“

2. Schüßler läßt sich über den Wert der Antlitzdiagnostik wörtlich aus! „Es ist von verschiedenen Seiten behauptet worden, die Biochemie reiche für alle Fälle nicht aus. Den Betreffenden rufe ich zu: Studieren Sie gründlich die Antlitzdiagnostik dann kann der Fall eintreten, daß sie z. B. bei einem septischen Zustand Magn. phos. in Anwendung und demzufolge zur Heilung bringen.“

Hieraus ist zu erkennen, daß Dr. Schüßler schon in vielen Bereichen ganz konkrete Vorstellungen von der Antlitzdiagnostik hatte. Sein Lebenswerk, – die Biochemie – forderte ihn bis zu sein Lebensende. Seine schöpferischen, seine geistigen Kräfte reichten nicht mehr, seine Vorstellungen über die Anzeichen im Antlitz zu vervollständigen und schriftlich niederzulegen. Jedes Menschen Leistungskraft hat eben seine natürlichen Grenzen.

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