Zelle und Mineralsalze in ihrer Beziehung zueinander

von Elisabeth Schmitz

Die Biochemie ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, und zwar aus den Grenzgebieten der Biologie und Chemie. Heute ist sie eine selbständige Wissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Gesamtheit der chemischen Vorgänge in der belebten Natur. Dabei erforscht sie die funktionellen Zusammenhänge des Zellgeschehens, vor allem im Stoffwechsel der Lebensvorgänge. Die Folge dieser Entwicklung war ein Siegeszug der Naturwissenschaften, denen auch der ganzheitliche ärztliche Denkansatz und die bisherige Pharmakologie z.T. zum Opfer fielen. Wenn auch die Chirurgie und Unfallmedizin wahre technische Wunder vollbracht haben und vollbringen, so ist doch die materialistisch-mechanistische Auffassung des lebenden Organismus – vor allem bei der Bekämpfung chronischer Leiden – in eine fast ausweglose Situation geraten.

Neben diesem Wissenschaftszweig gibt es die Heilmethode der Biochemie, die von Dr. Schüßler (1821 – 1898) als „Eine abgekürzte Therapie“ (1873) entwickelt, von Kurt Hickethier (1891 – 1958) weitergeführt und durch die Antlitzdiagnostik ergänzt wurde.

Dr. Schüßler baute seine Biochemie auf drei Grundpfeilern auf:

1. Biologischer Grundsatz: „Die kleinste Lebenseinheit ist die Zelle“.

2. Virchow’s Behauptung: „Das Wesen der Krankheit ist die pathogen veränderte Zelle“. (Virchow: 1821 – 1902. Begründer der Zellularpathologie)

3. Der Grundsatz Moleschott’s (1822 – 1893. Physiologe): „Gesund bleiben kann der Mensch nur, wenn er die nötigen Mineralstoffe in der erforderlichen Menge und im richtigen Verhältnis besitzt“.

Aus diesen Grundpfeilern entwickelte Dr. Schüßler seine vier Lehrsätze:

1. Alle Krankheiten entstehen durch einen Mangel an bestimmten lebensnotwendigen Mineralstoffen (vgl. Moleschott).

2. Durch Zuführung der fehlenden Stoffe tritt Heilung ein.

3. Die Zuführung der fehlenden Mineralstoffe darf nur in allergeringsten Mengen erfolgen.

4. Die Zuführung der fehlenden Stoffe muß in einer solchen Verdünnung erfolgen, daß der Übertritt des heilsamen Salzes unmittelbar durch die Schleimhäute der Mundhöhle, des Schlundes und der Speiseröhre direkt ins Blut erfolgt.

Kurt Hickethier hat obige Grundpfeiler und Lehrsätze übernommen und in seiner Lebenssalzkunde verarbeitet und erweitert.

Im Rahmen dieser Arbeit interessieren vor allem zwei Begriffe: Zelle und Mineralsalze sowie die Beziehung der beiden zueinander.

Zelle

Alle Organe des menschlichen Körpers bestehen aus Zellen. Wenn nun Zellen gleicher Art mit einer bestimmten Funktion zusammenwirken, so nennt man diese Zellverbände Gewebe (z. B. Nerven, Knochen, Muskeln, Fett, …). Die Zelle als Lebens- und Funktionseinheit besteht ihrerseits wiederum aus vielen Einzelteilen: dem Zellkern, dem Zytoplasma, das den Kern umgibt, und der Zellmembran, die das Zellinnere gegen die Umgebung abgrenzt, aber auch durchlässig ist für einen Austausch von innen nach außen und umgekehrt. Im Zytoplasma (einem Schwamm vergleichbar) befinden sich viele Zellelemente. Außerdem enthält der Zellkern das Kernkörperchen und die DNS mit der Erbinformation. Vom letzteren aus werden die Vorgänge gesteuert. Die 50 – 80 Billionen Zellen in unserem Körper sind in Bau, Größe, Beschaffenheit und in ihrer Funktion unterschiedlich und regelrechte Wunderwerke, die fast automatisch gesteuert werden. Trotz aller Eigenart stehen sie in einem engen Zusammenhang und sind aufeinander angewiesen. Sie ergeben den Zellen-Staat.

Sobald Funktionsstörungen in einem Zellverband auftreten, sprechen wir von einer Krankheitserscheinung. Allerdings wissen wir, daß die Krankheit trotz bestimmter Symptome sich nicht auf ein Organ beschränkt, sondern immer den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht, weil alle Zellen – wie oben gesagt – untereinander in enger Verbindung stehen.

Mineralsalze

Während alle Stoffe – Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß –, die an Kohlenstoff gebunden sind, als organisch bezeichnet werden, nennt man alle Verbindungen, die keinen Kohlenstoff enthalten – Wasser und Mineralsalze – anorganisch. Letztere Bezeichnung ist irreführend, weil sie – wie die organischen Stoffe auch – am Aufbau der Organe als lebenspendende Faktoren beteiligt sind. Sie wirken aber nicht nur beim Aufbau mit, sondern regeln den Stoffwechsel und reinigen (entgiften) den Körper, d.h. sie erhalten die Betriebsfähigkeit und Lebensenergie. Schauen wir uns die Mineralsalze noch etwas genauer an! Sie sind zusammengesetzte Stoffe und bestehen aus verschiedenen Elementen, deren kleinster Baustein das Atom ist. Verbinden sich mehrere Atome miteinander, so gehen sie eine chemische Verbindung ein. Und diese neue Einheit ist das Molekül. Lösen wir die chemisch zusammengesetzten Verbindungen der Mineralsalze in Wasser, so zerfällt ein Teil der Moleküle in elektrisch positive und elektrisch negative geladene Atome oder Molekularteile, die man Ionen nennt. Damit die Salze in Wasser gelöst und in dieser Lösung wirksam werden können, müssen sie entsprechend verdünnt werden zu D 6, Calcium fluoratum, Ferrum phosphoricum und Silicea – weil sie schwerer löslich sind – zu D 12. Kochsalz ist z.B. ein Molekül aus je einem Atom der chemischen Elemente Natrium und Chlor. In einer wässerigen Lösung zerfällt das Molekül Natriumchlorid in das elektrisch positiv geladene Natrium-Ion und das elektrisch negativ geladene Chlor-Ion. Wie wir von Dr. Hickethier erfahren haben, kommen nämlich die Mineralsalze in unserem Organismus in gelöstem, ionisiertem Zustand vor. Die Art der elektrischen Ladung ist bestimmend für Ihre Wirksamkeit.

Zelle und Mineralsalze in ihrer Beziehung zueinander

Wir haben eben gesagt, die Wirksamkeit der Mineralsalze hängt von der elektrischen Ladung (dauernde Spannung und Bewegung) ab. Die in unserer Körperflüssigkeit gelösten Ionen (auch Elektrolyte genannt) mit positiver Ladung sind Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, mit negativer Ladung sind Chloride, Phosphate und Sulfate. Das elektrische Gleichgewicht wird dadurch gewahrt, daß sich positive und negative Teilchen in derselben Körperflüssigkeit ausgleichen, aber nicht miteinander verbinden.

Die Körperflüssigkeit eines Menschen macht 60 % aus, d.h. bei einem Menschen von 60 kg sind es 36 kg Flüssigkeit, davon 27 kg innerhalb und 9 kg außerhalb der Zellen. Die Mineralsalz-Ionen arbeiten teilweise innerhalb der Zelle, teilweise in der Außenzellenflüssigkeit. Kalium befindet sich als wichtiges positiv geladenes Ion innerhalb der Zelle. Es aktiviert – in Zusammenarbeit mit dem Sulfat-Ion – die Oxidationsvorgänge im Zellstoffwechsel. Natrium und Chlorid-Ionen regeln das Säure?Basen?Gleichgewicht in der Extrazellulärflüssigkeit.

Wir alle haben schon von Bekannten, Freunden und Verwandten gehört, daß der Arzt Mängel an Mineralien festgestellt hatte: z.B. an Eisen und Calcium. Meist wurden hochdosierte Mineralstoffe verordnet oder gespritzt. Selten stellte sich Besserung ein. Was war der Grund?

Wie wir alle wissen, erfolgt der Knochenaufbau aus den Kalkbestandteilen unserer Nahrung. Voraussetzung aber dafür ist, daß die Kalkbestandteile über die Blutbahn in die Zwischenzellflüssigkeitsräume gelangen und hier genügend Calcium-phosphoricum-Ionen vorfinden, um den Kalk zu binden. Fehlen sie so kann der aufgenommene Kalk keine Verwendung finden und wird ausgeschieden. (Osteoporose, Rachitis, Rückgratverkrümmung…). Durch das Fehlen entstehen Funktions- und Bewegungsstörungen. Wird das Mineralsalz Calcium phosphoricum D6 zugeführt, können sowohl Kalk aus der Nahrung als auch aus den Präparaten verarbeitet werden, und zwar deshalb, weil das verdünnte Salz als Katalysator in der Zellflüssigkeit wirkt, chemische Vorgänge in Gang setzt, ohne die eigene Natur zu verlieren.

Ähnliches gilt für Natrium chloratum. Wenn stärkere Salzlösungen in den Extrazellularbereich strömen, schließen sich die kleinen Öffnungen in der Zellmembran. Diese Sperre ist notwendig, damit die Zellen und somit der Körper nicht vergiftet werden.

Die Salze werden wie im Beispiel vorher, ausgeschieden. Führen wir der Zelle keine Natrium-chloratum-Ionen zu, wird Schleimstoff frei (sichtbar auf dem Augenlid) und die Zelle geht zugrunde. Der Wasserhaushalt wird gestört. Erst bei entsprechenden Gaben von Natrium chloratum kann der Wasseraustausch stattfinden und die Zelle gesunden. (Der Gelatine-Glanz verschwindet.)

Wie wir bereits gehört haben, befinden sich die Salze in Form von Ionen in einer zellularen Lösung, in der sich u. a. auch Wasser- und Sauerstoff-Ionen befinden. Die können ihrerseits als Katalysatoren dienen, zur Oxydation (Verbrennung) herangezogen werden (Sauerstoff – z. B. Fe3(PO4)2) und neue Verbindungen eingehen.

Wir dürfen also behaupten, daß der Organismus mit Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß, Vitaminen und Mineralien in konzentrierter Form wenig anfangen kann, wenn nicht entsprechende Mineralsalz-Moleküle anwesend sind, um als Betriebsmittel den Aufbau, den Stoffwechsel, die Entgiftung zu bewirken und den Zellenstaat lebensfähig zu erhalten. Das trifft in besonderem Maße für unser Blut zu, das eine ausgesprochene Salzlösung ist. Jede Zelle ist wie ein Kraftwerk. Durch das „Gefälle“ – unterschiedliche Verhältnisse – in und außerhalb der Zelle findet ein Austausch von Molekülen statt, bewirkt durch die Abhängigkeit des osmotischen Drucks von elektrolytischen Verhältnissen, und setzt Energie frei. Sind alle notwendigen Mineralsalzmoleküle im Körper in einer ihnen entsprechenden Tätigkeit (Stoffwechsel), dürfte der Mensch gesund sein.

Zelle und Mineralsalze – Schlußbetrachtung

Kommen wir zum Schluß! Leider habe ich während meiner Erfahrung mit der Antlitzdiagnostik feststellen müssen, daß es keinen Menschen ohne Mineralsalzmangel gibt, daß kaum jemand ganz gesund ist. Selbst die Kinder aller Altersstufen haben bereits z.T. erhebliche Stoffwechselprobleme.

Wir alle kommen mit einer Menge von vorbelastetem Erbgut auf die Welt und sind täglich erheblichen Umweltbelastungen in verschiedener Form ausgesetzt.

Dennoch – so meine ich – dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben, nicht resignieren; wir müssen einen Beitrag zu „einem gelingenden Leben“ für die Welt leisten.

Was meine ich damit?

Ich denke zunächst an eine gesunde, vegetarische Ernährung, in der die Frischkost eine große Rolle spielt.

Ich denke an den Verzicht auf Genußmittel und – wenn möglich – auf allopathische Medizin.

Ich denke an eine sinnvolle Arbeit, die Freude bereitet, an genügend Ruhe und Bewegung in frischer Luft.

Ich denke an das Bemühen, mit sich, der Familie, mit Freunden und Nachbarn, ja mit der Welt und mit Gott in Frieden zu leben.

Wenn wir zudem die fehlenden Salze einnehmen, erreichen wir nicht nur eine Harmonie in unserem Zellenstaat, sondern eine Harmonie von Körper, Seele und Geist, deren positive Schwingungen, wie die der Ionen in unseren Zellen, Energie freisetzen für eine Welt mit Zukunft.

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